Online- vs. Präsenzvorlesung oder: Wie wird meine Vorlesung virtuell?
Eine neue Form der Vorlesung gewinnt in der heutigen Zeit an Bedeutung: Die Online-Vorlesung. „Was ist eine Online-Vorlesung?” Bis vor kurzem konnte ich diese Frage noch nicht richtig beantworten.
Dieser Beitrag soll Euch einen ersten Einblick in die „Welt” der Online-Vorlesungen gewähren, sowie die Vor- und Nachteile anhand eines oft eingesetzten Tools aufzeigen. Darüber hinaus möchte ich Euch mit diesem Beitrag die wichtigsten Unterschiede zu einer normalen Präsenzvorlesung näherbringen.
Das Tool
Unsere Online-Vorlesungen werden über wiziq gehalten. Wiziq ist eine webbasierte Plattform, auf der Online-Vorlesungen (in der Basisversion) kostenlos für bis zu 50 Teilnehmer gehalten werden können.
Technische Anforderungen
Die technischen Anforderungen an die Kursteilnehmer (nachfolgend KT genannt) sind bescheiden: Benötigt werden ein internetfähiger Rechner, ein Internetzugang, ein Flashplayer 10 Plug-In und ein Headset.
Vor der Online-Vorlesung
Vor jeder Veranstaltung wird vom Seminarleiter (nachfolgend SL genannt) eine neue Online-Vorlesung gestartet und jedem KT wird ein entsprechender Zugangslink zugemailt. Die Dauer der Online-Vorlesung kann individuell bestimmt werden.
Tool-Features
PDF’s oder Microsoft Office Dokumente können vom SL einfach hochgeladen werden und in die Vorlesung eingebunden werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, mehrere Whiteboards und Dateien gleichzeitig in die Vorlesung einzubeziehen und diese über Tabs zu navigieren. Darüber hinaus bietet wiziq die Möglichkeit, die hochgeladenen Dokumente zu bearbeiten (Ändern, Ergänzen, Löschen). Die Vorlesung kann so eingerichtet werden, dass jeder KT Sprechrechte hat. Hiervon ist vor allem bei einer hohen Teilnehmerzahl abzuraten, desweiteren vermindert diese Einstellung die Audioqualität.
Beispielhafter Ablauf einer Vorlesung
Der Ablauf einer Online-Vorlesung sieht normalerweise so aus: Der SL hat als einziger Sprechrechte und kann darüber hinaus als einziger innerhalb der Gruppe seine Webcam einsetzen. Dies hat den Vorteil, dass die KT ihn sehen können. Leider ist das Videofenster sehr klein, so dass der SL nur schwer erkannt werden kann. Möchte dieser die Sprechrechte an einen KT weitergeben, so muss er nur ein Button drücken, zugleich hat der KT dann Zugriff auf die Werkzeuge des interaktiven Whiteboards. Die KT können auch „virtuell” aufzeigen und von dem Seminarleiter „drangenommen” werden. Vor allem während einer längeren Online-Vorlesung sind das virtuelle „Handheben” und die Zuweisung des Sprechrechts umständlich. Hat ein KT kein Headset oder Mikrophon, so kann er über die Chat-Funktion mit den restlichen KT und dem SL kommunizieren. Darüber hinaus kann dieses Tool für die gruppeninterne Kommunikation (z. B. Diskussion) genutzt werden. Je nachdem, wie interessant bzw. lang eine Online-Vorlesung ist, stellt der Chat-Bereich von wiziq eine willkommene Ablenkung für die KT dar. Die Tatsache, dass dieses Feature nicht ausgeschaltet werden kann, erfordert daher ein hohes Maß an Disziplin. Am Ende der Unterrichtsstunde kann die aufgenommene Session (Dokumentation, Anmerkungen, etc.) eigesehen werden und steht darüber hinaus online 30 Tage zur Verfügung (in der kostenpflichtigen Version ein Jahr). Leider ist es jedoch nicht möglich, die aufgezeichnete Session herunterzuladen oder auf anderen Websites einzubinden.
Unterschiede
Im Gegensatz zu einer Präsenzvorlesung findet eine Online-Vorlesung meist in den eigenen vier Wänden statt. Dies trägt auf der einen Seite dazu bei, dass sich der KT wohler fühlt. Auf der anderen Seite kann dieses „Wohlfühlerlebnis” dazu beitragen, dass der KT sich von seiner Umgebung ablenken lässt. Darüber hinaus setzt eine Online-Vorlesung am Anfang etwas Geduld voraus: Bis alle Tools einwandfrei konfiguriert sind, bzw. alle Features erkundet wurden, braucht es seine Zeit. Dies erfordert, dass der SL den KT eine gewisse Zeit der Eingewöhnung lässt. Ist dies nicht der Fall, kann es passieren, dass der KT das Interesse an einer solchen Vorlesungsart verliert. Ferner muss der SL der Gefahr der einseitigen Kommunikation vorbeugen. Gerade die Tatsache, dass der SL und die KT räumlich voneinander getrennt sind erfordert ein höheres Maß an Interaktion. Passiert dies nicht, so droht auch hier der Verlust des Interesses an dieser Vorlesungsart. Der wohl größte Unterschied zwischen beiden Arten der Vorlesung ist die Einbeziehung der verschiedenen Kommunikationstypen der KT. Da der SL nicht sehen kann, wie konzentriert die KT sind, ist es wichtig, in den Vortrag Interesse weckende Elemente zu integrieren. Hierbei muss er berücksichtigen, dass manche der KT eher schweigsam sind oder stets dazwischenreden und eher destruktive Beiträge zur Vorlesung leisten. Auch diejenigen KT, die der Meinung sind, zu wissen „wie der Hase läuft” müssen bei den Überlegungen des SL berücksichtigt werden. Dies verdeutlicht sehr gut, dass dieses Tool nur so gut ist wie diejenigen, die es einsetzen.
Fazit
Ihr seht: Auch diese Art der Vorlesung hat ihre Schattenseiten. Nichtsdestotrotz kommen Lehrende und Studierende, die ihre Scheu vor dem Medium Internet als Tool für Online-Vorlesungen verlieren und sich mit den gebotenen Möglichkeiten auseinandersetzen auf ihre Kosten.
Ein Versuch lohnt sich…
André Oliveira
