2 Wochen Druckbetankung!

Viele Studenten kennen dieses Phänomen. Klausurtermin ist der 21. Febr. – heute ist der 28. Jan. Etwas mehr als drei Wochen bis zur Klausur.
Die vorlesungsfreie Zeit fängt in einer Woche an – bis dahin sitzt man noch 12 Semesterwochenstunden in der Uni und muss die letzten Projekte zum Abschluss bringen und am Wochenende ist die Auszugsparty des besten Kumpels. “Ich schaff das schon”, denkt man sich.
Heute ist der erste Tag der vorlesungsfreien Zeit. Die Party von vor 2 Tagen ist überwunden und man hat noch 15 Tage bis zur Klausur. Motiviert und voller Elan trifft man sich mit zwei Freunden in der Bibliothek und sucht sich ein ruhiges Plätzchen im 3. Stock.
Es ist leise. Alle anderen sitzen konzentriert über den Büchern und kauen an ihren Stiften. “Super! So schlimm wird das gar nicht mit dem Lernen”, hört man im eigenen Kopf und packt das Skript aus. Während die beiden Freunde noch leise die neuesten News austauschen, schnappt man sich ein Bonbon und legt das 260-seitige Skript und den vollen Schnellhefter mit Zusatznotizen und Erläuterungen auf den Tisch.
Den Lieblingskulli im Ansatz schreibt man zügig die ersten 5 Seiten Zusammenfassung runter und nach 7 Std. Bib, einigen lustigen Essenspausen und dem Gefühl eine Menge geschafft zu haben fährt man um 17 Uhr nach Hause.

Die kommenden Tage gestalten sich ähnlich. Die Aufenthalte werden länger, die Pausen kürzer und das Skript nimmt kein Ende. Bereits der zweite Kulli ist leer und die Zusammenfassung sieht mittlerweile nicht mehr nach einer Zusammenfassung aus, sondern  mehr wie ein Taschenbuchskript.
Nachdem man nach einer Woche alles rausgeschrieben hat, wird´s noch ruhiger. Stundenlang sitzt man vor dem Selbstgeschriebenen, lernt Tabellen auswendig, versucht Kontexte zu verstehen und verinnerlicht graphische Darstellungen.
Noch 2 Tage. Der Kopf ist voll. Die Stimmung am Ende und der Anspruch mindestens eine 2 zu schreiben, ist auf 3 gesunken. Schnell versucht man in kleinen Gruppen noch die größten Schwachstellen zu klären. Man lernt eh schon auf Lücke.

21. Februar – 21Uhr. Die erste Erschlagenheit nach der Klausur ist überwunden, die Musik ist laut und die Stimmung ausgelassen. Mit ein paar Kommilitonen sitzt man zusammen und genießt die Freiheit. Das war das dritte Semester. Die Hälfte ist geschafft und die freie Zeit der kommenden Wochen will verplant werden.Vielleicht kennt man noch die Aufgabenstellung der Klausur – die Inhalte verschwinden zusehends.

Heute 21.11.2009 – ein 3/4 Jahr später. Viele der damaligen Details hat man schlichtweg vergessen; gerade an die großen Überthemen kann man sich noch wage erinnern. “Man muss ja nicht alles wissen, hauptsache man weiß, wo es steht.”. Das ist die Standardantwort, wenn man nach Inhalten aus dem 3. Semester gefragt wird.

Auf der einen Seite hat man mit dieser Ausflucht recht. Auf der anderen Seite kann sie einem aber auch Angst machen. Wollte man nicht studieren, um nachher mehr zu wissen? Ging man nicht dem Glauben an die FH, durch den Praxisbezug dahinterstehende Theorien besser zu verstehen? Wenn man im Vorstellungsgespräch sitzt, darf man dann seinen Ordner mitnehmen?

Ich gebe zu, dass manche Sachverhalte nur schwer in Gruppenarbeiten zu erarbeiten sind. Aber sollte man uns dann nicht die Chance geben, es jedenfalls zu verstehen und praktisch anzuwenden und nicht nur in 2 Wochen auswendig zu lernen?

Ich gebe auch zu, dass die Zeit den Lehrenden in manchen Fällen einen Strich durch die Rechnung macht. Aber sollte man uns Studierenden dann nicht etwas mehr Zeit geben – entgegen des Jugendwahns in der Arbeitswelt oder gerade um diesem zu trotzen?

Ist es vielleicht so, dass man jetzt auch mehr weiß, als man denkt?
Ist das Bachelor-System doch nicht so verschult und wir müssten uns selbst mehr erklären und uns weniger auf den “Lehrer” verlassen?
Arbeiten wir nebenbei folglich zu viel und stellen zu viele Ansprüche an unseren Lebensstandard?
Haben wir vielleicht nur zu wenig Zeit, weil wir zu viel feiern?

Beschweren wir uns zu viel oder sind wir vielleicht auch irgendwie im Recht?

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Autor: janinaS
Datum: Samstag, 21. November 2009 18:44
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Ein Kommentar

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